Kinderlärm und entnervte Nachbarn – Was ist er-laubt?

 
KinderKöln, Mai 2017. Kinderlärm gibt vor allem in Mietshäusern oft Anlass für Streit: In der Nacht kriegen nicht nur Eltern, sondern auch Nachbarn wegen des schreienden Babys kein Auge zu und selbst die Mittagsruhe ist dahin, wenn die Nachbarskinder lautstark im Garten spielen.

Da fragt sich so mancher Mieter, ob er sich über den Lärm von nebenan beschweren darf.

Markus Mingers, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Mingers & Kreuzer klärt, was Nachbarskinder dürfen und wann entnervte Nachbarn das Recht haben, einzuschreiten.

Kinderlärm im Haus: Welche Regeln gelten?

„Die schlechte Nachricht für frustrierte Nachbarn beziehungsweise die gute für Eltern und Kinder lautet: Bei Kinderlärm ist nahezu alles erlaubt! Die Kleinen können im Regelfall nach Herzenslust spielen und rumtollen – ob die restlichen Hausbewohner dies gutheißen oder nicht, spielt dabei keine Rolle“, so Markus Mingers zu der Rechtslage.
Dies gilt zunächst fürs Spielen in der Wohnung: Es gibt hier keine Regel, welchen Lautstärkepegel Kinder einhalten müssen. Ob Lachen, Schreien oder Weinen – Mitmieter haben im Grunde keine Möglichkeit, einzuschrei-ten.

Selbst dann nicht, wenn das Haus hellhörig ist.
Die sogenannten allgemeinen Ruhezeiten zwischen 22:00 und 06:00 Uhr sind aber prinzipiell zu beachten.

„Kinderlärm wie das nächtliche Schreien von Babys müssen Nachbarn dennoch hinnehmen, vorausgesetzt die Eltern sorgen dafür, dass sich das Kind wieder beruhigt. Tun sie dies nicht, haben Mitmieter nach stundenlangem Geschrei ein Recht aktiv zu werden“, merkt der Rechtsanwalt an.
Auch wenn die Blockflöten- oder Geigenkünste der Nachbarskinder zu wünschen übrig lassen, ist ihr Musizieren kaum zu verbieten.

Natürlich sind die Ruhezeiten sowie entsprechende Regelungen im Mietvertrag und der Hausordnung zu beachten. Das Spielen von Instrumenten vollkommen zu untersagen, ist aber ausgeschlossen.

Kinderlärm draußen: Was gilt außerhalb des Hauses?

„Ob im Hof oder Garten gespielt werden darf und vor allem wann, legt meist die Hausordnung fest. Grundsätzlich ist Kinderlärm auch dort zu to-
lerieren.

Ist der Hof allerdings zum Parken vorgesehen, sollten Kinder dort keinen Spielplatz eröffnen“, erläutert Mingers.

Auf den eigentlichen Spielplätzen jedoch ist der Name Programm: Hier ist grundsätzlich Spielen und damit auch Kinderlärm jedweder Lautstärke erlaubt. Nur in den Nachtstunden muss Ruhe herrschen.

Gebotene Toleranz vom Alter abhängig

Gegen Kinderlärm im Haus kann man als Nachbar in der Regel nichts tun. Auch rechtlich fällt Kindergeschrei oder -lachen nicht unter Lärm. Die gebotene Toleranz hängt allerdings vom Alter des Kindes ab.

Bei Jugendlichen ab 12 Jahren sind genervte Mitmieter durchaus im Recht, die Eltern zu bitten, etwas Ruhe einkehren zu lassen.

Sollte das Gespräch scheitern, können Nachbarn sich mit ihrer Beschwerde auch an den Vermieter wen-den. „Wenn dieser nicht reagiert und die Störungen durch lärmende Jugendliche in der Nacht erfolgen, ist sogar eine Mietminderung um bis zu 30 Prozent vorgesehen“, so der Rechtsexperte.

In solch einem Fall sollte man sich vorab jedoch an einen Anwalt wenden.
www.mingers-kreuzer.de

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Tipp der Redaktion:

In Hessen sind die Ordnungsämter für die Beseitigung von ruhestörendem Lärm verantwortlich.

Wählen sie daher nicht die 110 – das ist sicher kein Notfall, sie blockieren nur unnötig die Leitung!

Noch besser aber ist zuerst mit dem Nachbarn zu reden!

 

Fragen sie bei ihrer Gemeinde nach einer Durchwahl, wenn nicht sogar die Servicerufnummer  115 für sie gilt.

In Kassel übrigens gilt die Durchwahl 0561-787-3061.

 

NordHessen-Journal Nachrichten und Berichte von NordHessen für NordHessen

Kommentar verfassen