Europäische Möbelexperten zu Gast bei der MHK

 

Restaurator
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Restauratoren stellen spannende Details zu Mobiliar um 1800 vor

 

„Im Wandel der Zeiten – Möbel um 1800“ lautet der Titel einer international besetzten Fachtagung, die an diesem Wochenende vom 18.-20.05.2017 bei der Museumslandschaft Hessen Kassel im Ballhaus stattfindet. Kunst- und Kulturhistoriker, Volkskundler, Restauratoren und Naturwissenschaftler treten hierbei in den Dialog. Sie tauschen neue Erkenntnisse zur Gestaltung und Bewahrung von Möbeln aus, die zur Zeit der französischen Revolution entstanden sind.

 

Um 1800 war die Zeit des Umbruchs: Die politischen Umwälzungen der französischen Revolution wirkten sich auf alle Lebensbereiche aus. Sichtbar wurden die gesellschaftlichen Veränderungen auch in der Gestaltung von Möbeln und Raumausstattungen. Neuerungen in Stil und Formensprache resultierten. Aber auch die Gestaltung der Holzoberflächen mit Beizen, Polituren und Farben sowie der Einsatz von speziellen Materialien entfalteten ihre Wirkung.

 

Über historische Zusammenhänge, Materialzusammensetzungen und vor allem Möglichkeiten der Konservierung und Restaurierung referieren und diskutieren an diesem Wochenende 23 weithin bekannte Fachexperten – darunter Hans Ottomeyer, ehemaliger Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (vormals Staatliche Museen Kassel), Paul van Duin, Leiter der Möbelrestaurierung am Rijksmuseum Amsterdam, Stephanie Westermann, Restauratorin am Norsk Folkemuseum in Oslo, Dr. Martina Griesser, Abteilungsleiterin am Kunsthistorischen Museum Wien, Valentin Delic, Leiter der Möbelrestaurierung an der Kulturhistorischen Sammlung des Universalmuseums Joanneum in Graz sowie zahlreiche angesehene Spezialisten aus ganz Deutschland.

 

Am Tagungsort Ballhaus im Bergpark Wilhelmshöhe zeigen die Referenten Beispiele ländlicher, bürgerlicher und höfischer Ausstattungsgegenstände, an denen deutlich wird: Jedes Möbel hat eine eigene Geschichte, die sowohl für die kulturhistorische und kunsttechnologische Forschung als auch für die Bewahrung und Präsentation ausschlaggebend ist.

 

Veranstaltet wird die Tagung von der Fachgruppe Möbel und Holzobjekte im Bundesverband der Restauratoren mit freundlicher Unterstützung der Museumslandschaft Hessen Kassel und mit finanzieller Unterstützung des Museumsvereins Kassel e.V.

Dies ist das nunmehr 9. Treffen des  Verbandes der Restauratoren (VDR) für Möbelexperten, das im In- und Ausland längst zu einem gesetzen Ereignis geworden ist. Der VDR ist Veranstalter zahlreicher Fachveranstaltungen. Er setzt sich ein für eine qualifizierte Restauratorenausbildung und den interdisziplinären Wissenstransfer.

 

Hintergrundwissen zum Beruf Restaurator/in

Kunstwerke und Kulturgüter stiften Identität und geben uns einen lebendigen Einblick in die Vergangenheit. Sie zu schützen und für die Nachwelt zu bewahren, ist die besondere und verantwortungsvolle Aufgabe der Restauratoren.

Restauratoren arbeiten an Museen, Archiven und Bibliotheken, in der Denkmalpflege, Forschung und Ausbildung und sind oftmals selbständig tätig. Dabei haben sie sich in aller Regel auf eine Objekt- oder Materialgruppe spezialisiert, wie z.B. auf Möbel, Papier, Gemälde, moderne und zeitgenössische Kunst, Architekturoberflächen, Glas, Textilien, archäologische und ethnologische Gegenstände, technische Kulturgüter usw.

Unabhängig vom jeweiligen Arbeitsfeld ist das Leistungsspektrum der Restauratoren sehr komplex. Es umfasst nicht nur die Entwicklung und praktische Ausführung von Konservierungs- und Restaurierungskonzepten, einschließlich der notwendigen Voruntersuchungen und Dokumentationen, sondern auch die fachliche Beratung von Eigentümern sowie die Planung, Steuerung und Überwachung von komplexen Projekten. Regelmäßig leisten Restauratoren wichtige Forschungsbeiträge.

Der Restaurator hat nicht nur ein geschultes künstlerisches Einfühlungsvermögen und einen guten kunsthistorischen Überblick, er verfügt auch über detaillierte Kenntnisse von historischen Erscheinungsformen verschiedener Objektgattungen und deren Materialien, sowie über ein fundiertes chemisches und physikalisches Wissen. Zudem arbeitet er interdisziplinär.

 

Entwicklung der Restauratorenausbildung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Ausbildung zum Restaurator in Deutschland rasant entwickelt. Behielt in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg das über Jahrhunderte tradierte Berufsbild des Restaurators mit der Fortsetzung des „künstlerisch-handwerklichen“ Prinzips zunächst seine Gültigkeit, setzte mit dem 1968 veröffentlichten Leitfaden „Code of Ethics for Art Conservators“ ein Streben nach einer „wissenschaftlichen Restaurierung“ ein. Es entstand eine neue Berufsethik. Neue Methoden und Techniken der Konservierung und Restaurierung wurden entwickelt und verbreitet, um einen hohen Qualitätsstandard zu etablieren. In BRD und DDR etablierten sich in den 1960er- und 1970er-Jahren erste akademische Studiengänge. Weitere Diplomstudiengänge der Konservierung/Restaurierung folgten in den 1980er-Jahren und nach der Wende. Heute ist ein umfassendes, solides Hochschulstudium der übliche und anerkannte Zugang zum Beruf. An drei von neun deutschen Hochschulstandorten gilt zudem das Promotionsrecht für Restauratoren.

 

Der Verband der Restauratoren (VDR)

ist der Berufs- und Fachverband der Restauratoren in Deutschland. Hauptanliegen des VDR sind der Schutz und die sachgerechte Bewahrung des Kunst- und Kulturgutes unter Respektierung seiner materiellen, kunsthistorischen und ästhetischen Bedeutung. Als Bundesverband ist der VDR zentraler Ansprechpartner für Politik, Wissenschaft, Lehre und Öffentlichkeit. Dementsprechend positioniert sich der VDR zu wichtigen politischen und wirtschaftlichen Vorgängen, die Einfluss auf den Kulturgüterschutz und die Arbeit der Restauratoren haben. Auch repräsentiert er die Berufsgruppe der Restauratoren auf zahlreichen Messen und Veranstaltungen. Für seine Mitglieder und Interessierte richtet der Verband Tagungen, Seminare, Kurse und Treffen aus. Ferner gibt er einen monatlichen Newsletter, eine Fachzeitschrift und Monografien rund um die Restaurierung heraus.

 

Weitere Informationen sind zu finden unter https://www.restauratoren.de/beruf/ sowie unter https://www.restauratoren.de/der-vdr/

 

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