EHF Cup Viertelfinale: MT verliert ihr Spiel in Frankreich mit 26:30

 

SpielHandball-Bundesligist MT Melsungen hat das Hinspiel im Viertelfinale des EHF Cup gegen den französischen Vertreter Saint-Raphaël Var HB mit 26:30, nach 14:15-Halbzeitstand, verloren.

Die Gastgeber stellten, wie erwartet, eine körperlich präsente Abwehr. Dagegen fand die MT aus dem Spiel heraus nur schwer die geeigneten Mittel. Hinzu kam, dass allein 16 technische Fehler eine effektivere Torausbeute verhinderten. Die Nordhessen liefen die meiste Zeit des Spiels einem Rückstand hinterher.

Die Abwehr steigerte sich im Spielverlauf und mit ihr auch Torhüter Johan Sjöstrand. Fünf Minuten vor Schluss waren die Nordhessen beim 27:25 dicht dran. Aber wiederum verhinderten einige Fehler, dass es zum durchaus möglichen Ausgleich kam.

Umgekehrt nutzten die Hausherren ihre letzten Chancen und gewannen deshalb auch in dieser Höhe nicht unverdient. Beste Torschützen vor 1.657 Zuschauern im Palais des Sports J-F Krakowski in Saint Raphaël waren Johannes Sellin, Momir Rnic, Michael Allendorf und Michael Müller mit jeweils 4 Treffern für die MT und Saint-Raphaël  Caucheteux mit 9 Treffern für Saint-Raphaël. Die Entscheidung über den Einzug ins Final Four fällt im Rückspiel am Samstag, 29. April in Kassel (Anwurf 20:00, Rothenbach-Halle).

Die Auftaktphase war durch gegenseitiges Abtasten gekennzeichnet. Die MT eröffnete durch Allendorf, Saint-Raphaël  konterte zweifach, zuerst durch Rechtsaussen Jurka, dann durch Cacheteux, der gegen Sjöstrand den ersten Strafwurf des Spiels verwandelte. Das hätte zuvor eigentlich Allendorf machen können, aber der traf nur die Latte des von Popescu gehüteten Gehäuses.

Die Nordhessen versuchten zunächst, das Spiel im Stile einer Auswärtsmannschaft zu gestalten, was aber nicht so richtig gelingen wollte. Vorzeitige Abschlüsse wurden zwar vermieden, aber gleichzeitig mangelte es an der nötigen Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite war den Hausherren der Respekt vor dem Bundesligisten anzumerken. Vorsichtiges Agieren war Trumpf, Tore fielen in regelmäßigem Wechsel. Dabei legten die Franzosen, die mehrere Male von Ballverlusten, Abspiel- oder technischen Fehlern der MT (Vuckovic, M. Müller) profitierten, jeweils ein, bzw. zwei vor. Deshalb nahm Michael Roth nach etwa 17 Minuten, beim Sand von 8:6, die erste Auszeit der Partie. Schon kurz zuvor hatte er mit Schneider für Rnic und Golla für Danner die ersten Umbesetzungen vorgenommen.

Johannes Sellin war es dann, der seine Farben durch einen Doppelschlag wieder auf 8:8 heran brachte. Zuerst per Siebenmeter gegen den eigens eingewechselten Djukanovic, kurz darauf mit einem Wurf aufs verwaiste Tor der Hausherren (19.). Danach riss jedoch der Faden bei den Gästen, die Hausherren erkannten den Durchhänger prompt. Das 9:8 durch Lynggaard vom Kreis war ein erstes Signal. Kurz darauf nutzte Saint Saint-Raphaël eine Überzahlsituation (Michael Müller war nach Foul an Cacheteux auf die Strafbank verbannt worden), indem Vigneron von Rechtsaussen zum 10:8 traf. Und sie blieben weiter am Drücker, Cacheteux warf ins leere MT-Tor und Dipanda erhöhte gar auf 12:8 (21.). Eigenartigerweise nahm daraufhin Joel da Silva, Trainer der Gastgeber, ein Timeout.

Das schien aber anschließend eher die MT zu beflügeln. Denn Golla stiebitzte den angreifenden Franzosen den Ball und machte auch gleich selber das Tor. Hinten kaufte Sjöstrand dem frei vor ihm auftauchenden Stehlik das Spielgerät ab, im Gegenzug setzte sich Michael Müller erfolgreich durch, Allendorf netzte von Aussen ein und Schneider ließ einen Hammer aus dem Rückraum folgen. Mit diesem 4:0-Lauf hatte der Bundesligist drei Minuten vor der Halbzeitpause das Spiel wieder geöffnet (12:12, 27.).

Danach beendete Lynggaard vom Kreis den Melsunger Zwischenspurt. Cacheteux ließ nach Michael Müllers Fehlpass das 14:12 folgen. Wie gut aus MT-Sicht, das dann Sjöstrand dem gleichen Spieler kurz darauf einen Tempogegenstoss zunichte machte und Schneider postwendend zum 14:13 aufschließen konnte. Weil danach jeweils beide Teams noch je einmal erfolgreich waren (Dipanda und Golla) gings mit 15:14 in die Kabinen.

SpielWacher aus der Pause zurück kamen die Gastgeber. Das zeigte nicht nur der Kreistreffer von Karalek, sondern auch die Doppelparade von Popescu gegen zwei hintereinander abgefeuerte Würfe von Schneider. Saint-Raphaëls Spielmacher Sarmiento nutzte die Verunsicherung der Gäste zum 17:14 (33.).

Die MT agierte im Angriff nun einfach zu umständlich, bisweilen auch zu unentschlossen, um die Defensive der Franzosen vor ernsthaftere Probleme zu stellen. In der 38. Minute brachte Michael Roth Marino Maric. Es war der erste Einsatz des Kreisläufers nach 116-tägiger verletzungsbedingter Pause. An der fehlenden Effizienz  im Spiel nach vorne konnte aber auch er nichts ändern. So eilten die Hausherren bis zur 40. Minute auf sechs Tore davon (23:17).

Aber die MT kämpfte sich wieder heran. Sogar Torhüter Sjöstrand schaltete sich als Schütze ein, traf ins leere gegnerische Gehäuse zum 23:19. Maric machte sein erstes Tor und Boomhouwer hatte auf Linksaussen freie Bahn, weil  Saint-Raphaëls bester Werfer, Cacheteux, ein Zeitstrafe absitzen musste. So war die MT beim 24:22 wieder in Reichweite. Diesen knappen Abstand gelang es über 25:23 (50.) und 26:24 (54.) zu halten. Beide Male hatte sich nämlich Rnic erfolgreich durchgesetzt. Eine Minute später verkürzte Boomhouwer gar auf 26:25. Das hätte weiteres Selbstvertrauen geben müssen. Tat es aber nicht. Denn wieder schlichen sich Nervosität und damit Fehler im Angriff ein. So nutzte Cacheteux einen Fehlpass von Philipp Müller zum 29:25 (58.). Michael Roth legte daraufhin die Grüne Karte.

Anschliessend war bei Sellins Siebenmeterwurf die Latte im Wege. Dann landete Boomhouwers langer Tempogegenstosspass beim gegnerischen Keeper statt beim davon geeilten Sellin. Weil in der letzten Minute auf beiden Seiten dann aber doch noch je ein Strafwurf versenkt werden konnte (Cacheteux und Sellin) blieb die Anzeigentafel beim Schlusspfiff auf 30:26 stehen. Nun muss die MT im Rückspiel am Samstag mit fünf und mehr Toren gewinnen, um ins Final Four einzuziehen. Plus vier würden nur reichen, wenn es gelingt, Saint-Raphaël unter 26 Toren zu halten.

Eine Schrecksekunde hatte es Anfang der zweiten Hälfte gegeben, als Nenad Vuckovic plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Bank rannte. Dort renkte ihm Physiotherapeutin Jennifer Bajerke den Finger ein, aber sein Einsatz war beendet. Wie sich nach dem Spiel in einer Untersuchung im Krankenhaus – organisiert und geleitet von MT-Mannschaftsarzt Dr. Gerd Rauch – herausstellte, ist die Mittelhand gebrochen. Für den Routinier könnte damit die Saison bereits vorzeitig beendet sein (separate Meldung folgt).

Trainerstimmen zum Spiel:

Michael Roth: Wir haben zu hektisch agiert und uns zu viele Fehler erlaubt. Unter zehn pro Spiel ist eigentlich ein guter Wert, wir aber haben uns 16 geleistet. Angesichts dessen muss man mit diesem Ergebnis zufrieden sein. Klar haben wir am Mittwoch im Spiel gegen Berlin viel Energie aufwenden müssen. Aber das soll keine Entschuldigung sein. Wir haben jetzt die Chance, das im Rückspiel wett zu machen. Denn dann sind wir es, die den Heimvorteil haben und es gemeinsam mit unseren Fans schaffen können. Die Ausgangssituation wäre übrigens auch kaum anders, wenn wir hier gewonnen hätten.

Joel da Silva: Wir sind mit diesem Ergebnis sehr zufrieden und fahren zuversichtlich nächste Woche nach Deutschland. Das war heute ein echtes Europapokalspiel. Wir haben uns darauf physisch und mental intensiv vorbereitet. Das werden wir auch vor dem Rückspiel wieder so machen. Als wir letztes Jahr in diesem Wettbewerb im Viertelfinale standen, sind wir an Chambery gescheitert. Jetzt haben wir ein Jahr mehr Erfahrung und haben auch alle Spieler an Bord. Wir werden in Kassel nicht an unser Hinspielergebnis denken, sondern wollen dort einfach nur ein gutes Spiel machen.

Statistik

Saint-Raphaël Var HB – MT Melsungen 30 : 26 (15 : 14)

Saint-Raphaël Var HB: Djukanovic (nur bei Strafwürfen), Popescu (8 Par.) – Krantz 1, Simicu 1, Abily 1, Sarmiento 3, Lynggaard 3, Jurka 3, Caucheteux 9/4, Stehlik, Vigneron 1, Trottet, Krakowski, Dipinda 4, Karalek 1, Hmam 3 – Trainer: Da Silva.

MT Melsungen: Sjöstrand (7 Paraden / 1 Tor), Verkic (bei einem Strafwurf) – Maric 1, Sellin 4/1, Golla 2, Fahlgren 1, Danner, P. Müller 1, Boomhouwer 2, Rnic 4, Schneider 2, Allendorf 4, Vuckovic, Jaanimaa, M. Müller 4, Haenen – Trainer: Roth.

Schiedsrichter: Lars Jorum / Havard Kleven (Norwegen); EHF-Delegierter: Francois Mulleners (Belgien).

Zeitstrafen: 6 – 6 Minuten (Jurka, 17:28 Min.; Simicu, 41:12; Hmam, 45:30 – M. Müller, 19:31; P. Müller, 40:12; Sellin, 55:06).

Siebenmeter: 4/4 – 2/4(Caucheteux, 6. Min., 7., 39., 60.  – Allendorf trifft den Pfosten, 3. Min.; Sellin, 18., Sellin trifft die Latte, 59., Sellin 60.)

Zuschauer: 1.657, Palais des Sports J.-F. Krakowski, Saint Raphaël.

Die nächsten Spiele:
Mi., 26.04., 19:00 Uhr: GWD Minden – MT Melsungen, Kampahalle, Minden
Sa., 29.04.17, 20:00 Uhr: MT Melsungen – Saint-Raphaël , Rothenbach-Halle Kassel

 

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