Kasseler Polizeimedaille für 14 couragierte Menschen: „Helden des Alltags“ vom Verein Bürger und Polizei Kassel geehrt

Die Preisträger mit dem Polizeipräsidenten Konrad Stelzenbach, dem Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Bertram Hilgen und dem Geschäftsführer des Vereins Bürger und Polizei Kassel e.V., Wolfgang Jungnitsch

Kassel (ots) – Bereits zum 18. Mal haben der gemeinnützige Verein Bürger und Polizei in Kassel und das Polizeipräsidium Nordhessen am Mittwochabend in einer öffentlichen Veranstaltung Menschen ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr die Arbeit der Kasseler oder der nordhessischen Polizei in bemerkenswerter Weise unterstützt und geholfen haben. Vierzehn Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Kassel und der Region wurden vom Präsidium des Vereins nach Vorschlägen der nordhessischen Polizeidienststellen für die Auszeichnung mit der „Kasseler Polizeimedaille“ ausgewählt. Sie konnten am Abend die Ehrung aus den Händen von Polizeipräsident Konrad Stelzenbach, der auch Präsident des Vereins Bürger und Polizei in Kassel ist, entgegen nehmen. Präsident Stelzenbach wurde bei der Übergabe der Medaillen vom Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen unterstützt. Die zum achtzehnten Mal stattfindende Auszeichnung mit der vom Verein Bürger und Polizei im Jahr 2000 gestifteten „Kasseler Polizeimedaille“ erfolgte im Rahmen eines Festaktes im Polizeipräsidium in Kassel. Rund 200 Vereinsmitglieder und Ehrengäste, unter ihnen Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und Landrat Uwe Schmidt, waren der Einladung gefolgt.

Vorbilder für unsere Gesellschaft

Trotz aller Prominenz standen natürlich auch in diesem Jahr die Medaillenträger und ihre couragierten Taten im Mittelpunkt des Festaktes. „Diese Menschen haben hingesehen, wo andere vielleicht weggeschaut hätten, sie haben mit Mut und Zivilcourage gehandelt, wo andere, aus welchen Gründen auch immer, untätig geblieben wären. Für uns sind diese Menschen alle Helden des Alltags und gute Vorbilder für unsere Gesellschaft“, sagte Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. „Sie haben Empathie gezeigt und anderen Menschen in Notsituationen geholfen“, machte der Polizeichef die Bandbreite der guten Taten deutlich. „Wir alle sollten nie vergessen, dass auch wir mal in Bedrängnis oder eine Notsituation geraten könnten. Dann wären wir froh, wenn jemand den Mut hat und die Zivilcourage aufbringt, um zu helfen oder zu unterstützen“, mahnte der Präsident. Die geehrten Personen halfen aber auch mit, Straftäter zu fassen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

„Das ist eine wichtige Unterstützung für uns, denn trotz schneller Einsätze können wir nicht überall sofort vor Ort sein“, räumte Konrad Stelzenbach ein. „Wir alle und auch unsere Gesellschaft brauchen couragierte Menschen wie Sie mehr denn je“, stellte der nordhessische Polizeichef, an die Geehrten gewandt, abschließend fest.

Lobenswertes Verhalten in ganz unterschiedlichen Fällen

Die vierzehn neuen Träger der Kasseler Polizeimedaille, darunter sechs Frauen und acht Männer, sind in diesem Jahr zwischen 17 und 59 Jahre alt. Sie stammen aus Kassel (3), Ahnatal, Frankenau, Frankenberg, Hessisch-Lichtenau (2), Kaufungen (3), Lohfelden (2) und Wohratal (Landkreis Marburg-Biedenkopf). „Sie alle haben in ganz unterschiedlicher Weise vorbildlich gehandelt. Dafür möchte der Verein Bürger und Polizei Kassel und die nordhessische Polizei diese Mitbürger mit der Kasseler Polizeimedaille ehren“, so Polizeichef Konrad Stelzenbach. „Meine Kolleginnen und Kollegen leisten hervorragende Arbeit. Aber es ist auch für mich gut zu wissen, dass es nach wie vor zahlreiche Menschen gibt, die ihre Polizei in so vorbildlicher Weise unterstützen“, hob er weiter hervor. Die Medaillenträger waren im vergangenen Jahr bei polizeilichen Einsatzsituationen in ganz unterschiedlicher Form lobenswert aktiv. Sie halfen zumeist durch schnelle und präzise Mitteilung ihrer Wahrnehmungen von Straftaten oder durch beherztes aber gleichwohl überlegtes Einschreiten bei beobachtetem Unrecht in bemerkenswerter Art mit, Straftaten zu verhindern, Täter festzunehmen oder wichtige Ermittlungs- und Aufklärungsschritte der Polizei zu ermöglichen.

Polizeimedaillen-Träger auch bei Vorauswahl zum XY-Preis 2016

Dass die Kasseler Polizeimedaille auch überregional große Anerkennung erfährt belegt die Geschichte von Susanne Andreas aus Kassel. Sie war Ehrengast des Abends und hatte vor einem Jahr die Kasseler Polizeimedaille erhalten. Susanne Andreas und zwei junge Frauen aus Korbach, die ebenfalls mit der Kasseler Polizeimedaille geehrte worden waren, schafften es mit ihren couragierten Taten bis in die engere Auswahl zum XY-Preis des ZDF. Beide Fälle wurden im Fernsehen ausgestrahlt. Die Jury des mit jeweils 10.000,- Euro dotierten XY-Preises entschied sich letztlich für drei andere Fälle aus etwa 40 zur Auswahl stehenden. Der Verein Bürger und Polizei Kassel und das Polizeipräsidium Nordhessen arbeiten seit vielen Jahren mit der Redaktion der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ zusammen. „In unserer heutigen Zeit, in der man oft den Eindruck bekommen kann, dass Viele nur noch sich selbst der Nächste sein wollen, haben unsere Medaillenträger durch ihr Handeln in beispielhafter Weise Zivilcourage und Bürgersinn bewiesen und gezeigt, dass es auch anders gehen kann“, erklärte Geschäftsführer Wolfgang Jungnitsch, der auch die Medaillenverleihung moderierte, abschließend.

Fall 1: Profi-Einbrecher festgenommen und Beute entdeckt

Durch die couragierte Unterstützung des Ehepaars Rarack und Frau Paulsen konnten am Samstag, dem 20. Februar 2016, in Kaufungen im Landkreis Kassel drei überörtlich agierende Einbrecher, die bereits mehrfach in Deutschland und im benachbarten Ausland polizeilich in Erscheinung getreten waren, nach einem Einbruch im Ortsteil Niederkaufungen von Polizeibeamten des Reviers Kassel-Mitte vorläufig festgenommen werden.
Herr und Frau Rarack hielten sich an diesem Sonntagnachmittag in ihrer Wohnung in Niederkaufungen auf, als Herr Rarack die verdächtigen Männer beim Übersteigen eines Zaunes auf einem benachbarten Firmengrundstück bemerkte. Da er sofort den Verdacht hatte, dass es sich um Einbrecher handeln könnte, bat er seine Frau, die Polizei zu verständigen. Er selber begab sich nach draußen, um die Verfolgung aufzunehmen. Frau Rarack alarmierte die Polizei, setzte sich anschließend hinters Steuer ihres Wagens und suchte ebenfalls nach den Verdächtigen. Sie geriet zudem auch noch selbst in Gefahr, als sie von einem der Männer in ihrem PKW angesprochen wurde. Sie schloss das Fenster und fuhr davon. Später begleitete Frau Rarack die Beamten, um die Verdächtigen zu finden. Herr Rarack konnte bei der Festnahme der Täter die Personen identifizieren. Zudem entdeckte er das Auto der Täter im Wohngebiet, das anschließend von der Polizei sichergestellt werden konnte.
Frau Paulsen schließlich wurde auf die jungen Männer aufmerksam, weil diese sich verdächtig verhielten. Einer trug einen offenbar gut gefüllten Kopfkissenbezug in der Hand, den er schließlich in einem Altkleidercontainer warf. Da es dabei hörbar schepperte, erkannte Frau Paulsen, dass die Männer möglicherweise Diebesgut auf diese Weise verstecken oder loswerden wollten. Als Frau Paulsen kurz darauf einen Funkwagen sah, sprach sie die Beamten an und berichtete ihre Beobachtung. Nach dem Öffnen des Containers stellte sich heraus, dass die Männer ihre Beute im Wert von mehreren Tausend Euro darin verstecken wollten. Die aus Serbien und Italien stammenden Männer wurden dem Haftrichter vorgeführt.

Fall 2: Vater und Sohn stellten bewaffneten Ladendieb

Jürgen Simon und sein Sohn Kai Simon waren am Freitag, dem 8. April 2016, gegen 12.30 Uhr mit dem Auto in Hessisch-Lichtenau unterwegs und sahen, dass ein Mann von einem Kleiderständer vor einem Modehaus in Hessisch-Lichtenau Bekleidung wegnahm und damit flüchtete. Sohn Kai stieg aus dem PKW aus und rannte hinter dem Täter her. Bei der Verfolgung wurde Kai Simon mehrfach von dem Täter bedroht, u.a. schrie dieser, dass er ein Messer dabei habe. Schließlich ließ der Dieb seine Beute fallen, setzte aber die Flucht fort. Doch Kai Simon ließ sich nicht beirren und verfolgte den Täter vorsichtig weiter. Der drohte dann erneut mit Gewalt, indem er einen fünf Kilogramm schweren Stein nach ihm warf. Kai Siemon blieb zum Glück unverletzt. Schließlich klaute der Dieb ein nicht abgeschlossenes Fahrrad und fuhr mit diesem in Richtung Hauptstraße davon. Kai Simon rief sofort seinen Vater über Handy an und teilte ihm die Fluchtrichtung mit. Kurz darauf sah Jürgen Simon dann den Täter in Höhe eines Autohauses. Herr Simon konnte den Verdächtigen auf dem Fahrrad vorsichtig in eine Firmenzufahrt drängen. Der versuchte schließlich noch, sich hinter einer Waschanlage unter einem Auto zu verstecken. Vater und Sohn konnten den Täter dann aber festnehmen und den eintreffenden Polizeibeamten übergeben.

Fall 3: Mutmaßlicher Einbrecher gestellt

Herr Cubiks hatte am 28. Mai 2016 noch gegen 23 Uhr ein Medikament in einer Bereitschaftsapotheke besorgt und parkte anschließend zu Hause in der Frankenstraße im Kasseler Stadtteil Wahlershausen ein. Noch aus dem Auto heraus konnte er einen ihm unbekannten Mann beobachten, wie dieser mit einem Werkzeug an der Haustür eines Mehrfamilienhauses hebelte. Herr Cubicks sprach ihn an und fragte ihn, was er denn da treiben würde. Daraufhin rannte der Unbekannte davon. Herr Cubiks verständigte über Notruf die Polizei und nahm sofort die Verfolgung des Verdächtigen auf. Er ließ den mutmaßlichen Einbrecher dabei nicht aus den Augen und führte durch ständige Standortmeldungen an die Leitstelle der Polizei im Polizeipräsidium die Beamten des Polizeireviers Süd-West an den Flüchtenden heran. Am ICE-Bahnhof Kassel-Bad Wilhelmshöhe klickten schließlich die Handschellen. Im Rucksack des Tatverdächtigen fanden die Polizeibeamten auch das Werkzeug, mit dem er den Einbruchsversuch in der Frankenstraße unternommen hatte.

Fall 4: Verwirrter Täter wollte Tankstelle anzünden

Mutige Zeugen verhinderten mögliche Katastrophe
Die Eheleute Claudia und Michael Rose sind Bewohner eines Gebäudes auf einer Tankstelle in der Talstraße in Lohfelden und haben durch ihr mutiges Einschreiten am 10. August 2016 einen größeren Gebäudebrand oder sogar eine mögliche Explosion verhindert.
Das Ehepaar war morgens gegen 1.30 Uhr durch ein verdächtiges Geräusch am Tankstellengebäude wach geworden. Der Deckel eines Mülleimers auf dem Tankstellengelände war zu Boden gefallen. Kurze Zeit später hörten sie erneut laute Geräusche aus dem Bereich der Zapfanlagen, wobei es sich vermutlich um das Herunterfallen der Zapfhähne handelte. Herr und Frau Rose beobachteten aus einem der Tankstelle zugewandten Fenster, wie eine männliche Person vor der Zapfsäule stand. Auf dem Boden vor der Zapfsäule sahen sie einen brennenden Müllsack. Im Feuer lagen auch die drei Schläuche der Zapfsäule. Herr Rose reagierte blitzschnell, lief hinaus und löschte den brennenden Papierhaufen. Zum Glück hatten die Absperrventile der Zapfpistolen der Hitze bis dahin stand gehalten. Trotz heftiger Gegenwehr und einem Faustschlag ins Gesicht gelang es Herrn Rose, den Brandstifter vorläufig festzunehmen und ihn den alarmierten Polizeibeamten zu übergeben. Der offenbar verwirrte Täter kam in Untersuchungshaft.

Fall 5: Couragierte Frauen stoppten Trunkenheitsfahrt

Frau Schöppe und Frau Unruh beobachteten am 23. August 2016 auf der Kronenackerstraße in Kassel einen vor ihnen fahrenden Autofahrer, der seinen Wagen sehr unsicher und in Schlangenlinien steuerte. Auch entgegenkommende Fahrzeuge mussten teilweise ausweichen. Beide Frauen vermuteten eine Trunkenheitsfahrt oder einen medizinischen Notfall und die verständigten aus dem Auto heraus die Polizei. Der Fahrer des vor ihnen fahrenden Autos stieß schließlich beim Abbiegen noch gegen den Bordstein. Versuche, das Auto zu stoppen, scheiterten zunächst. Als der Fahrer schließlich in Höhe des Rewe-Marktes anhielt, parkten die couragierten Frauen ihn einfach ein und verhinderten so seine Weiterfahrt. Kurz darauf traf ein Funkwagen mit Polizeibeamten des Reviers Süd-West ein. Zum Glück sei der offenbar erheblich alkoholisierte Mann friedlich und ruhig gewesen, sagte eine der beiden mutigen Zeuginnen später. Ein Atemalkoholtest bei dem 62-Jährigen Fahrer ergab anschließend einen Wert von über 2,8 Promille. Er muss sich wegen Trunkenheit im Straßenverkehr verantworten.

Fall 6: Tätlichen Angriff auf Autofahrer abgewehrt

Am Samstagabend, den 10. September 2016, befuhr gegen 20:50 Uhr ein mit einem Paar besetztes offenes Cabriolet die Röddenauer Straße in Richtung Stadtmitte Frankenberg. Am Frankenberger Tor musste das Fahrzeug an einer Lichtzeichenanlage verkehrsbedingt anhalten. Während der Fahrer dort auf Grünlicht wartete, lief ein vermutlich angetrunkener Mann mit seinem Hund ständig auf dem Überweg hin und her. Dies, so die späteren Zeugen Raphael Metz und Elias Bamberger, veranlasste offenbar den Fahrer des Cabriolets zum Hupen. Das passte offenbar dem Unbekannten nicht, der mit seinem Hund laut schimpfend an das Auto herantrat und unvermittelt grundlos mit beiden Fäusten auf den Fahrer einschlug. Wie sich später herausstellte, erlitt der Angegriffene dabei mehrere Prellungen im Gesicht.
Die beiden Freunde Raphael und Elias erkannten sofort die für die Autoinsassen bedrohliche Situation, griffen mutig und couragiert ein und brachten den Schläger zu Boden. Kurz danach wechselte die Lichtzeichenanlage auf grün und der verängstigte Cabrio-Fahrer setzte seine Fahrt fort. Aus sicherer Entfernung verständigte er dann erst eine Weile später die Polizei. Beim Eintreffen der Polizei waren die mutigen Helfer nicht mehr vor Ort. Nach einem Aufruf in der Presse meldeten sich die Zeugen aber sofort bei der Polizei. Mit ihrer Hilfe konnte dann auch der Täter ermittelt und überführt werden.

Fall 7: Handtaschenraub vereitelt und verletzter Zeugin geholfen

An diesem Mittwoch, dem 5. Oktober 2016, ereignete sich gegen 20.30 Uhr am Auedamm in Kassel ein Handtaschenraub. Ein unbekannter Täter entriss dort einer 59-jährigen Frau aus Edermünde die Handtasche, sodass sie zu Boden stürzte und sich dabei das rechte Schlüsselbein brach. Herr Schmidt hörte die Hilferufe der Überfallenen und sah den flüchtenden Täter. Bei dem Versuch, den rennenden großen, sportlich trainierten Mann durch einen Stoß in die angrenzende Hecke zu stoppen, konnte er ihm die geraubte Tasche abnehmen. Danach setzte Herr Schmidt die richtigen Prioritäten. Statt dem Täter zu folgen, kümmerte er sich richtigerweise sofort um das schwer verletzte Opfer und alarmierte die Polizei und den Rettungsdienst. Leider konnte die sofort eingeleitete Fahndung nicht zur Festnahme des Täters führen.

Fall 8: Sparkassenangestellte vereitelte Enkeltrick und bewahrt damit eine Seniorin vor großem Schaden

Frau Brand, Kundenberaterin einer Filiale der Kasseler Sparkasse im Stadtteil Harleshausen, hat am 30.November durch ihre Aufmerksamkeit, ihren 7. Sinn für eine drohende Gefahr und mit Zivilcourage eine 80-jährige Kundin der Kasseler Sparkasse vor einem großen Schaden bewahrt. Die Seniorin war nach einem Anruf einer angeblichen Cousine bereit, dieser für ein vorgegaukeltes Immobilien-Schnäppchen 20.000,- Euro zur Verfügung zu stellen. Nachdem die Polizei von Frau Brand über den Verdachtsfall informiert worden war, konnte durch ein arrangiertes Telefonat der Rentnerin mit ihrer echten Cousine der versuchte Betrug belegt werden.

Wolfgang Jungnitsch Geschäftsführer des Vereins Bürger und Polizei e.V. Kassel